Mit Leib‘ & Seele: Vier Bio-Bauern aus dem Mühlviertel im Porträt.

von Elena

„Sie wachsen Dir schon irgendwie ans Herz“, meint Hubert Leitner mit einem Lächeln auf den Lippen in Richtung seiner fröhlich schnatternden Weidegänse, „aber letztendlich muss jedem der Fleisch isst klar sein, dass dafür ein Tier sein Leben lassen muss. Unsere Aufgabe sehe ich darin, alles dafür zu tun, um unseren Gänsen Zeit ihres Lebens ein so schönes und artgerechtes Dasein wie möglich zu gewähren.“

Wir stehen gemeinsam mit Hubert Leitner auf dessen Hof in Pierbach im südlichen Mühlviertel. Eine großzügige Tafel mit dem klingenden Namen „Genuss Region Österreich – Mühlviertler Alm Weidegans“ ziert die Wand neben dem Eingangstor. Mit dieser Auszeichnung verpflichten er und seine KollegInnen sich nicht nur zu besseren Lebensbedingungen für ihre Gänse, sondern tragen auch zum Erhalt einer einzigartigen Naturlandschaft bei. Nachgeschaut im Netz findet man beispielsweise folgende Aussage über die Bemühungen der hier ansässigen Bauern: „Die naturnahe Haltung leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Erhaltung der regionalen Kulturlandschaftspflege.“ Schon betrachte ich die sanfte Hügellandschaft des südlichen Mühlviertels mit anderen Augen, sehe die Arbeit, aber auch die Vielfalt und den Nutzen der Landschaftspflege darin.

Wir unterhalten uns mit Hubert Leitner über seinen Hof und die Gänse, darüber, was artgerechte Weideganshaltung ausmacht und welchen Herausforderungen er sich gegenüber sieht. Und steigern so unser Bewusstsein dafür, was ein Fokus auf Genuss und Qualität in der (biologischen) Landwirtschaft alles ausmachen können.

Im Gespräch mit Hubert Leitner über Haus, Hof und seine Weidegänse ...

Im Gespräch mit Hubert Leitner über Haus, Hof und seine Weidegänse …

 

... denen es hier offensichtlich prächtig geht ...

… denen es offensichtlich prächtig geht …

 

... hier am Hof in der kleinen Gemeinde Pierbach im Mühlviertel.

… hier am „Groß Riener Hof“ in der kleinen Gemeinde Pierbach im Mühlviertel.

 

Ganz nah dran an den Weidegänsen liegt der Biohof Schmiedberger. Mitten im Naturpark Mühlviertel. Am „Schwammerlstein“!

Er ist das Wahrzeichen des Naturpark Mühlviertel nahe der Ortschaft Rechberg, und für die Familie Schmiedberger einfach „ein weiteres Naturdenkmal hinten oben, über dem Garten“: Ein gewaltiger Granitblock, der über einem weiteren aus der Erde ragenden Granitstein scheinbar schwebend zum Erliegen gekommen ist. Wir dürfen diesen näher betrachten, ja sogar beklettern, und erfahren von der sympathischen Naturparkführerin und Keramik-Künstlerin Nikola Jakadofsky, was den „Schwammerlstein“ am Hof der Familie Schmiedberger so besonders macht. Tatsächlich handelt es sich bei diesen eigentümlichen Gesteinsformationen um eine sogenannte Wollsackverwitterung, die aus dem umliegenden Gestein harte Granit-Findlinge „übrig lässt“. Als Reste eines urzeitlichen Gebirgszuges nördlich der Donau (und der heutigen Alpen) ragen sie scheinbar zufällig aus dem Erdboden. Was für ein Anblick!

Diese besondere Energie machen sich wohl auch die Biobauern Andreas und Renate Schmiedbarer zunutze. Auf ihren Feldern rund um den „Schwammerlstein“ bauen sie ein üppiges und vielfältiges Bio-Sortiment an Lebensmitteln aller Art an. Frische Pastinaken beispielsweise zieht Andreas vor uns aus dem Erdboden (er überreicht mir zwei als Geschenk, sie schmecken köstlich und sind riesig- fast ein halbes Kilo zusammen!), auch der Ur-Dinkel-Einkorn-Reis ist einfach nur herrlich im Geschmack. Am liebsten wäre mir, der Hofladen der Familie, die vier Kinder großziehen und dennoch vor Freude und Energie strahlen, wäre gleich neben unserem Wohnort. Wunderschön hier. Seht Euch das mal an.

Unsere Ankunft am Biohof der Familie Schmiedberger ist geprägt von einem magischen Anblick: Der "Schwammerlstein" ragt mystisch aus dem Morgennebel des herbstlichen Mühlviertels, und lädt via Holzstiege zum Klettern ein.

Unsere Ankunft am Biohof der Familie Schmiedberger ist geprägt von einem magischen Anblick: Der „Schwammerlstein“ ragt mystisch aus dem Morgennebel des herbstlichen Mühlviertels, und lädt via Holzstiege gleich neben der Hofeinfahrt zum Klettern ein.

 

Blick in den Hofladen, dessen Produkte schon seit über 25 Jahren erfolgreich biologisch angebaut und vermarktet werden ...

Blick in den Hofladen, dessen Produkte schon seit über 25 Jahren erfolgreich biologisch angebaut und vermarktet werden …

 

... wir folgen dem Familienvater und Landwirt Andreas auf seine Gemüsefelder ...

… wir folgen dem Familienvater und Landwirt Andreas auf seine Gemüsefelder und treffen ihn unmittelbar hier zum Gespräch …

 

... Pastinaken frisch vom Feld, anyone?! Meine Familie ist beim darauffolgenden Feiertagsessen von der Suppe die ich daraus mache begeistert ..!

… Pastinaken frisch vom Feld, anyone?! Meine Familie ist beim darauffolgenden Feiertagsessen von der Pastinakensuppe aus dem Mühlviertel über die Maßen begeistert (mein kleiner Sohn Liam selbstredend auch) ..!

 

Etwas weiter weg, ebenfalls noch im südlichen Mühlviertel, findet Ihr den Hof der Familie Pankrazhofer, die sich ganz der Veredelung heimischer Obstsorten verschrieben haben.

Es fällt schwer einzugrenzen, was Eva und Norbert Eder alles machen. Fast schon müsste man fragen, was sie nicht machen. „Sogar eine kleine Landwirtschaft mit Mutterkühen und Ackerbau haben wir, wenngleich uns die Obstverarbeitung ganz schön auf Trab hält. Aber für mich ist alles ein Kreislauf. Alles gehört zusammen, die Verarbeitung des einen ist nicht ohne das Zutun des anderen möglich“, schmunzelt Norbert Eder wohlwollend in Richtung seiner Hühner und Kühe, als er uns unter dem Speckbirnbaum des Familienbetriebes zum Gespräch begrüßt.

Seine Frau Eva hat sich indes ganz der Herstellung von Bio-Fruchtessig verschrieben, und in ihrer Leidenschaft gemeinsam mit zwei weiteren Mühlviertler Bäuerinnen das Label „Die Essigmacherinnen“ gegründet. Mostessig, Apfelessig mit Blütenhonig sowie Birnenbalsam Essig gehören genauso zum Sortiment der Familie wie Senfsorten, Säfte, Frizzante, Moste, Edelbrände oder Getreide, Körner und Saaten (in Form von Mehl, Öl oder als ganzes Korn). Wahnsinn. Was wir alles kosten (müssen)- und darauf besteht die fröhliche Eva lachend, als sie und ihr Mann Norbert uns durch den Betrieb führen, der keine einzige verschlossene Tür enthält- ist schon sagenhaft. Alles ist offen, freundlich, friedlich und zugleich voller Tatendrang. Kein Wunder, dass hier so manches gedeiht, dank dessen Konsumation wir uns gleich viel besser fühlen!

Landschaftsgruß bei der Ankunft am Hof der Familie Eder ...

Landschaftsgruß bei der Ankunft am Hof der Familie Eder …

 

... ich liebe mir ja den Geschmack der hier wachsenden Birnen- und Apfelsorten ...

… ich liebe mir ja den etwas herben Geschmack der hier wachsenden Birnen- und Apfelsorten, den wir in Form von Most, Saft, Frizzante oder Edelbränden verkosten dürfen …

 

... das Obst ist im Herbst erntefrisch und duftet einfach herrlich ...

… das Obst ist bei unserem Besuch im Herbst erntefrisch und duftet einfach herrlich …

 

... gleich nebenan wird es weiter verarbeitet, wie wir im Rahmen unseres kleinen Betriebsrundganges lernen ...

… gleich nebenan wird es weiter verarbeitet, wie wir im Rahmen eines kleinen Betriebsrundganges lernen …

 

... und auch die Verkostung sämtlicher Produkte, wie hier der wirklich schmackhaften Essigvielfalt ...

… und auch die Verkostung sämtlicher Produkte, wie diese wirklich schmackhafte Essigvielfalt …

 

... oder des Bio-Speckbirnen-Frizzante (mein absoluter Favorit!) ...

… oder die Pichlbirne (mein absoluter Favorit!) lassen mich einfach nur schwärmen (und schwören, wieder zu kommen) …

 

... vielen Dank, lieber Norbert ...

… vielen Dank, lieber Norbert …

 

... liebe Eva, für so viel Leidenschaft und Begeisterung beim Vorstellen Eurer Produkte und Eures Betriebes!

… liebe Eva, für so viel Leidenschaft und Begeisterung beim Vorstellen Eurer Produkte und Eures Betriebes!

 

Zum Glück ist es möglich, über die Homepage des Betriebes, www.pankrazhofer.at, eine gute Palette ihrer Produkte auch online zu erwerben!

 

Das nördliche Mühlviertel ist schon alleine aufgrund des Biohof Thauerböck eine Reise wert.

Wer hier ankommt, atmet erst mal auf. In doppelter Hinsicht. Denn auch das Auge erfreut sich an der klaren Luft und dem weitläufigen Blick, den Ihr „von oben“ in der BioRegion Mühlviertel habt: Auf einem sanft geneigten Südwesthang wachsen hier beispielsweise 85 alte Obstsorten. Sprich Obstbäume, deren Früchte aufgrund ihrer Form oder ihres Ertrages bereits in Vergessenheit geraten sind. Sie sind allesamt „Teenager-Bäumchen“, erklären uns liebevoll Monika und Mario, die uns auf ihrem Hof begrüßen. Ihre sorgfältige Arbeit an den jungen Schützlingen ist wie jeder Schritt hier zukunftsweisend: Erst in einigen Jahren werden die Bäume namhafte Erträge für beispielsweise die BioBrennerei des Biohofes liefern. Selbige rückt übrigens aufgrund eines weiteren, heiteren Details unmittelbar bei Ankunft auf dem Hof ins Blickfeld: Der „Schnapsrast-Pavillon“ macht müde Wanderer wieder munter, die unterwegs am Johannesweg der direkt über das Grundstück der Familie führt Rast machen. „Ihr könnt gleich auch bei uns im Verkostungsraum etwas probieren“, meint Monika schmunzelnd, als wir die frei zugängliche Gaststube erkunden.

Ein willkommenes Zeichen: Die "Schnapsrast" auf dem Biohof Thauerböck ...

Ein willkommenes Zeichen der Gastfreundschaft: Die „Schnapsrast“ auf dem Biohof Thauerböck …

 

... lebt unter anderem vom "ehrlichen Euro" der vorbeikommenden Gäste, die sich hier bedienen, und ist stets geöffnet.

… lebt unter anderem vom „ehrlichen Euro“ der vorbeikommenden Gäste, die sich hier bedienen, und ist stets geöffnet.

 

Nebenan dürfen wir ebenso einen Blick in eines der Herzstücke des Betriebes werfen, die BioBrennerei ...

Nebenan dürfen wir einen Blick in eines der Herzstücke des Betriebes werfen, die BioBrennerei …

 

... die fertigen, unsagbar geschmackvollen Produkte dürfen wir dann anschließend im Bio Hofladen verkosten.

… die fertigen, unsagbar geschmackvollen Produkte verkosten wir anschließend im Bio Hofladen (hier geht’s zum Online-Shop).

 

Auch zart schmelzenden Speck gibt es da, vom "Kaltenberger Whiskeyschwein" das Zeit seines Lebens großflächige Weidelandschaften genießt.

Auch himmlisch zart schmelzenden Speck gibt es da: Dieser stammt vom „Kaltenberger Whiskyschwein“, einer alten Schweinerasse, die Zeit ihres Lebens großflächige Weidelandschaften genießt und dessen optimale Fleischqualität einfach schmeckt.

 

Im Gespräch mit den Herzensmenschen Mario und Monika, die uns viel über ihre Philosophie, Lebenseinstellung und Arbeitsweise erzählen, wird deutlich, wie wichtig ihnen das Wohlergehen aller Lebewesen rund um sie ist. Alte Rassen wie das „Wildmasthendl“ oder das „Murbodner Weiderind“, die sie neben ihren Whiskyschweinen halten, erinnern schon alleine aufgrund ihrer Bezeichnung daran, dass es um mehr gehen muss als um Billigfleisch. Wir lieben es festzustellen, dass wir in vielen Gedanken über die Welt mit unseren Gastgebern übereinstimmen: Mehr Achtsamkeit, mehr Nachhaltigkeit (über Generationen), mehr Rücksicht und Fürsorge auf- und untereinander. Und noch vieles mehr! Hier möchte ich definitiv eines Tages mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn Liam wiederkehren, auf dass auch er diese Welt gleichermaßen erleben und begreifen möge.

Im Gespräch mit dem jungen Bauern und Philosophen Mario ...

Beim Philosophieren mit dem jungen Bauern Mario …

 

... Monika erklärt indes den Vorgang der Pechöl-Gewinnung, ein weiteres Produkt, das die Familie hier herstellt und das ich auch vorsorglich für kleine und größere "Unfälle" von ihr einkaufe.

… Monika erklärt indes den Vorgang der Pechöl-Gewinnung, ein weiteres Produkt, das die Familie herstellt und das ich auch vorsorglich als Naturheilmittel für kleine und größere „Unfälle“ von ihr einkaufe.

 

Vielen Dank, liebe Familie Thauerböck, für solch einen umfassenden und herzlichen Besuch bei Euch!

Vielen Dank, liebe Familie Thauerböck, für solch einen umfassenden und augenöffnenden Besuch bei Euch! Wir kommen wirklich gerne wieder.

 

Zuletzt habe ich über das Mühlviertel bereits rund um das Thema Bier, Schokolade und Genuss berichtet. In meinem nächsten Reisebericht erzähle ich Euch noch mehr über den Besuch von Genussproduzenten, Wirtshäusern und Kulinarik-Spezialisten des Mühlviertels. Sämtliche Bilder meiner Reise durch das Mühlviertel findet Ihr übrigens hier (Vorsicht, appetitanregend!):

 

Meine KollegInnen haben ebenfalls wie folgt über das Mühlviertel berichtet:

 

Hinweis: Ich wurde von der Destination Mühlviertler Alm Freistadt in Kooperation mit Genuss Reisen Österreich zu dieser Reise eingeladen. Alle Meinungen sind meine eigenen.

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2 Kommentare

Alles rund ums Bier: Braucommune, BeerBuddies & Bierpralinen im Mühlviertel, Oberösterreich. 4. November 2020 - 16:10

[…] meinen nächsten beiden Reiseberichten erzähle ich Euch noch mehr über unseren Besuch bei vier hervorragenden Biobauernhöfen, Genussproduzenten, Wirtshäusern und Kulinarik-Spezialisten des Mühlviertels. Sämtliche Bilder […]

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